Featured Image

Die Regierungsparteien in Austria haben sich auf einen weitreichenden Entwurf zur Reform des Glücksspielrechts verständigt. Die geplanten Änderungen betreffen sowohl den Online- als auch den terrestrischen Bereich und stellen die tiefgreifendste Überarbeitung des Regelwerks seit mehr als zwanzig Jahren dar. Im Mittelpunkt steht die Abkehr vom bisherigen Monopolmodell hin zu einem staatlich überwachten Lizenzsystem. Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultations- und parlamentarischen Prüfungsphase.

Neuausrichtung der Glücksspielstruktur und Öffnung des Online-Markts

Der Reformvorschlag sieht vor, die bisherige Ein-Anbieter-Struktur im Online-Glücksspiel aufzugeben und durch ein Modell zu ersetzen, in dem mehrere lizenzierte Anbieter unter staatlicher Aufsicht tätig sein können. Ziel ist es, einen Markt zu strukturieren, der nach Einschätzung von Regulierern zunehmend von nicht lizenzierten Angeboten geprägt ist, während gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle erhalten bleiben soll.

Nach dem Entwurf können sich alle Betreiber um eine Online-Glücksspiellizenz bewerben, sofern sie die festgelegten Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem Compliance-Systeme zur Geldwäscheprävention sowie Maßnahmen zum Spielerschutz. Zusätzlich wird ein Mindeststammkapital von 10 Millionen Euro vorgeschrieben.

Politische Vertreter betonen, dass der Reformansatz sowohl Marktzugang als auch Regulierung miteinander verbinden soll. Andreas Ottenschläger, Finanzsprecher der ÖVP, erklärte:

„Mit der neuen Regulierung des Glücksspielgesetzes gehen wir einen Schritt hin zu mehr Wettbewerb, Rechtssicherheit und fairen Marktbedingungen. Die Öffnung des Online-Marktes beendet veraltete Monopolstrukturen, schafft neue Investitionsanreize und stärkt Österreich als Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig stärken wir den Spielerschutz durch klare und zeitgemäße Schutzmechanismen und gehen konsequent gegen illegale Anbieter vor. Dadurch wird es legalen Unternehmen künftig ermöglicht, unter fairen Bedingungen in Österreich zu operieren, zu investieren und Wertschöpfung zu schaffen. Auf diese Weise ist es uns gelungen, die richtige Balance zwischen effektivem Spielerschutz und einem rechtssicheren, funktionierenden Markt zu finden.“ 

Auch aus der SPÖ wurde die Reform als notwendiger Schritt eingeordnet. Jan Krainer, Finanzsprecher der SPÖ, sagte:

„Die Reform des Glücksspielgesetzes war überfällig. Es ist gelungen, viele widersprüchliche Interessen miteinander zu vereinbaren. Die wichtigsten davon sind, dass wir den Spielerschutz verbessern und Ordnung in einen Online-Markt bringen, der in den letzten Jahren zunehmend grau und schwärzer geworden ist.“

NEOS-Vertreter Christoph Pramhofer verwies insbesondere auf den Aspekt der Regulierung als Schutzmechanismus:

„Ein Glücksspielangebot, das im legalen und regulierten Bereich stattfindet, ist der beste Spielerschutz. Genau deshalb öffnen wir den Online-Markt – in kontrollierter Form und mit einheitlichen Regeln für alle Anbieter. Das bisherige staatliche Monopol hat dazu geführt, dass Spieler aufgrund fehlender Alternativen viel zu häufig in den grauen oder schwarzen Markt abgewandert sind. Mit der Liberalisierung schaffen wir nun einen modernen Markt mit gesundem Wettbewerb sowie hohen und verbindlichen Spielerschutzstandards. Dass diese langjährige Forderung nun umgesetzt wird, ist auch für mich als Gesundheitssprecher von entscheidender Bedeutung.“

Kontrollmechanismen, Sperrsysteme und Finanzblockaden

Ein zentraler Bestandteil des Entwurfs ist der Ausbau von Vollzugsinstrumenten gegen nicht autorisierte Glücksspielangebote. Dazu gehören Maßnahmen auf Zahlungsebene sowie technische Sperrmechanismen.

Finanztransaktionssperren sollen verhindern, dass Zahlungen an oder von nicht zugelassenen Anbietern durchgeführt werden. Banken und Zahlungsdienstleister werden verpflichtet, entsprechende Transaktionen zu identifizieren und zu blockieren, einschließlich grenzüberschreitender Geldflüsse.

Zudem ist ein zentrales Sperrregister vorgesehen, das sämtliche Glücksspielprodukte außer Lotterien abdeckt. Dieses Register soll sowohl behördlich angeordnete Einschränkungen als auch freiwillige Selbstausschlüsse erfassen und damit eine einheitliche Übersicht über verschiedene Glücksspielangebote ermöglichen.

Der Entwurf enthält außerdem Anforderungen an die Überwachung des Spielverhaltens durch Anbieter sowie Alters- und Einsatzlimits. Diese beinhalten wöchentliche und monatliche Einzahlungsgrenzen, die je nach Altersgruppe variieren und unter bestimmten Bedingungen angepasst werden können.

Top Austria casinos
Overall Rating: 92
Overall Rating: 87
Overall Rating: 86

Lizenzbedingungen, Markteintritt und landbasierte Regulierung

Für den Marktzugang sieht das neue System klare strukturelle Anforderungen vor. Unternehmen müssen im EU- oder EWR-Raum registriert sein und finanzielle sowie organisatorische Stabilität nachweisen. Zusätzlich wird eine Lizenzgebühr von 300.000 Euro für die Erstgenehmigung erhoben. Die Lizenzen sollen zunächst für bis zu fünf Jahre gelten und können anschließend auf bis zu zehn Jahre verlängert werden. Behörden behalten sich eine laufende Überprüfung der Einhaltung aller Vorgaben vor.

Unternehmen, die zuvor ohne Genehmigung im österreichischen Markt aktiv waren, können zwar in das neue System aufgenommen werden, müssen jedoch offene steuerliche Verpflichtungen erfüllen und relevante Gerichtsurteile in Austria klären. Wer nicht fristgerecht aus dem unregulierten Markt aussteigt, muss mit Sperrfristen vor einer möglichen Wiedereintrittsberechtigung rechnen.

Auch der terrestrische Bereich wird neu strukturiert. Die Zahl der Casino-Lizenzen wird auf 13 festgelegt. Bei der Vergabe sollen Faktoren wie regionale Verteilung, touristische Bedeutung und sozioökonomische Kriterien berücksichtigt werden.

Der aktuelle Entwurf befindet sich weiterhin in der öffentlichen Konsultation. Rückmeldungen können bis Mitte Juli 2026 eingereicht werden, bevor das Gesetzgebungsverfahren fortgesetzt wird. Anschließend wird die Vorlage weiter im parlamentarischen Prozess behandelt.

Quelle:

Austria coalition advances sweeping overhaul of gambling law, casinonewsdaily.com, 2. Juli 2026