Österreich bereitet sich auf eine Liberalisierung des Online-Glücksspielmarkts vor. Ein geleakter Gesetzesentwurf des Finanzministeriums legt nahe, dass künftig mehrere Anbieter in den Markt eintreten können, während strenge Lizenz- und Spielerschutzregeln gelten. Das Dokument, das iGB vorliegt, markiert einen potenziellen Bruch mit dem bisherigen Monopol und signalisiert eine Öffnung für internationale Betreiber.
Neue Lizenzstruktur für Online-Casinos
Bisher hält die Marke Win2day der Österreichischen Lotterien die einzige Lizenz für Online-Glücksspielprodukte, während alle zwölf landbasierten Casinos ebenfalls bei Casinos Austria registriert sind. Der Entwurf sieht vor, dass Online-Casinos künftig für eine unbegrenzte Anzahl von Anbietern zugänglich werden, während Lotterien weiterhin ein Monopol bleiben. Lizenzen würden zunächst für fünf Jahre vergeben, mit der Option auf eine Verlängerung um weitere zehn Jahre.
„Mehrere Anbieter werden künftig in Österreich Online-Glücksspiel anbieten können“, heißt es im Entwurf, der ein streng reguliertes Lizenzsystem vorsieht. Das Ziel sei, Spieler vom illegalen Markt wegzuführen und „höchstmögliche Standards im Spielerschutz“ sicherzustellen.
Rückwirkende Anforderungen und Zugangskosten
Der Entwurf sieht vor, dass Betreiber ausstehende Gerichtsurteile begleichen und alle österreichischen Steuern zahlen müssen, auch rückwirkend. Laut Arthur Stadler, auf Glücksspielrecht spezialisierter Anwalt in Wien, könnten diese „enorm hohen Summen“ kleinere Anbieter faktisch ausschließen, obwohl kein formelles Limit für die Anzahl der Lizenzen vorgesehen ist.
Spielerlimits und Schutzmaßnahmen
Das Gesetzespaket enthält umfassende Spielerschutzvorgaben. Spieler unter 26 Jahren dürfen maximal 250 € pro Woche einzahlen, ältere Spieler höchstens 1.680 €.Maximalgewinne werden auf 2.000 € reduziert, Einsatzlimits auf 2 € pro Spiel festgelegt, und Jackpots werden verboten. Außerdem sollen verpflichtende Pausen eingeführt werden: Nach 90 Minuten ununterbrochenen Spiels ist eine 15-minütige Auszeit vorgesehen. Diese Maßnahmen übertragen bestehende Schutzvorgaben aus dem stationären Markt auf den Online-Bereich, um „gleiche hohe Standards im Spielerschutz“ zu gewährleisten.
Ein nationales Selbstsperresystem soll kontinuierlich überwachen und sicherstellen, dass Spieler Zugang zu Schutzmechanismen haben.
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Ausblick und Zeitplan
Obwohl die Branche die Liberalisierung begrüßt, könnte es noch Jahre dauern, bis die ersten Lizenzen vergeben werden. Die aktuelle Lizenz von Win2Day läuft 2027 aus, ebenso wie die Konzessionen für landbasierte Casinos. Eine unabhängige Glücksspielbehörde soll laut Entwurf „bis 2030“ eingerichtet werden, sodass die neuen Konzessionen zunächst vom Finanzministerium vergeben würden.
Die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ, NEOS und ÖVP könnten noch Änderungen bringen, die vor der Sommerpause im Parlament beschlossen werden müssten. Simon Priglinger-Simader, Präsident des Branchenverbands ÖVWG, bezeichnet die Situation als „hoffnungsvoller denn je“, weist aber darauf hin, dass noch einige „knifflige Punkte“ zu klären sind.
Quelle:
Austria heads for online gambling liberalisation as draft law is leaked, igamingbusiness.com, 27. Mai 2026